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Das wird alles schon wieder„, „Reiß dich mal zusammen!“ oder „Du solltest einfach mal wieder mehr lachen…“ – das sind Sätze, die Depressive wohl zur genüge kennen. Natürlich ist es schwer in solchen Krisensituationen die richtigen Worte zu finden, denn die Wahl der falschen Worte kann die Depression noch verschlimmern. Doch wie sollte man sich jetzt verhalten? Zunächst mal ist es wichtig, dass du nicht alle Worte deines Freundes, Angehörigen oder Bekannten persönlich nimmst. Die Depression verhindert klares Denken und erschafft manchmal Scheinwelten für den Betroffenen; er sagt Sachen, die er gar nicht sagen möchte bzw. gar nicht so meint. Dafür braucht man manchmal ein hartes Fell, wie es so schön heißt und auch eine Menge Geduld.

Der heute Artikel richtet sich eher an die Angehörigen von Betroffenen, denn ich habe mir überlegt, welche Worte mir während meiner depressiven Phase geholfen haben und welche eher nicht. Natürlich ist dies bei jedem Menschen unterschliedlich, doch fest steht, dass jeder Depressive eine gewisse Sensibilät oder Verletzlichkeit entwickelt. Die falschen Worte zum falschen Zeitpunkt können das Gedankenkarussel und den damit verbundenden Teufelskreis noch vertiefen. Du darfst einem Depressiven nicht das Gefühl geben, dass er dir eine Last ist, aber dir sollte auch klar sein, dass du seine Depressionen nicht heilen kannst. Was du aber machen kannst ist ihm immer wieder zu zeigen, dass du für ihn da bist und ihm zeigen, dass er oder sie dir wichtig ist. „Du bedeutest mir viel.“, „Du bist sehr wichtig für mich.“ oder beim Partner ein einfaches „Ich liebe dich“.

Wie gesagt: eine Depression kann man damit nicht heilen, aber man kann die Heilung unterstützen und eine Verschlimmerung verhindern. „Nimm dir die Zeit, die du brauchst.“, ist auch eine hilfreiche Aussage. Außerdem kann es hilfreich sein Bücher zum Thema zu lesen. So verstehst du, wie sich der Betroffene fühlt. Kleine Empfehlungen: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben von Matt Haig oder die Mein Schwarzer Hund Bücher von Matthew Johnstone. Es gibt zwei Bücher; einmal Tipps für Betroffene und eines für Angehörige. Alle Bücher helfen das Thema besser zu verstehen und außerdem kann man so eine gewisse Sensibiltät für das Thema entwickeln.

Vielen fehlt auch das Verständis um festzustellen, dass Depressionen eine Krankheit sind und nicht nur eine vorrübergehende Trauer oder schlechte Phase. Für viele Leute gelten Depressive, die den ganzen Tag im Bett liegen als faul oder bequem, dabei können sie oft gar nicht mehr aufstehen. Kleine Dinge, wie Duschen oder anziehen werden zur Herausforderung.

Es bringt nichts einer Person in akuter Depression zu sagen:

  • Nun lach doch mal!
  • Hör auf dich selbst zu bemitleiden
  • Anderen geht es viel schlechter. Die würden sich freuen, wenn sie mit dir tauschen könnten“ oder
  • Das alles entsteht doch nur in deinem Kopf – hör‘ einfach auf damit!

Damit bewirkst du nur, dass sich der Betroffene noch schlechter fühlt, weil er nicht „normal“ sein kann.

Depressive erkennen oft nicht, dass sie an einer Krankheit leiden. Sie nehmen die ausweglose Hoffnungslosigkeit für wahre Münze und wissen oft gar nicht, dass es einen Ausweg gibt. Depressive glauben, sie haben eine unheilbare Krankheit und niemand kann und will sie verstehen. Bespreche mit deinem Angehörigen, wie es weiter gehen soll. Versuche dabei ganz sanft über die Themen Arzt , Klinik, Psychotherapeuten und Psychiater zu reden. Wenn du merkst, dass die Person immer weiter abbaut und sich nur noch zurückzieht, dann versuche selbst einen Termin zu vereinbaren.

Das Beste was du machen kannst: Anwesend sein. Schenke dem Betroffenen dein Mitgefühl ohne ihm Vorwürfe zu machen. Der Betroffene hat starke Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit, Pessimismus, Antriebslosigkeit und Selbstzweifel. Alles, was du für „normal“ oder „einfach“ hältst, ist für einen Depressiven sehr schwer.

Auch wichtig: Sorge für dich selbst. Achte auf dich und erkenne was dir nicht gut tut. Vielleicht fühlst du auch erste Symptome einer Überforderung. Für einen Depressiven zu sorgen kann zu einer starken Verzweiflung führen. An manchen Tagen geht es ihm besser und er lacht und an anderen Tag verkriecht er sich und weint nur noch. Schnell könnte man das Problem bei sich selbst sehen. Aber so ist es nicht. Vielleicht kannst du dich ja auch mit anderen (Freunden, Verwandten…) zusammentun und gemeinsam darüber reden. Verliere dich selbst nicht aus den Augen. Man kann einen Etrinkenden auch nur dann retten, wenn man selbst schwimmen kann – naja, vielleicht ein doofer Vergleich, aber vielleicht verstehst du was ich meine.

Ich kann zum Thema nur sagen, dass es mir wahnsinnig gut tat, wenn ich wusste, dass jemand hinter mir stand. Es zeigte mir, dass ich nicht alleine kämpfen brauchte, sondern jemanden an meiner Seite hatte. Meine Freundin hat mir auch Vorwürfe gemacht, daraus kann ich ihr keinen Vorwurf machen, denn woher sollte sie wissen, wie man in solchen Situationen reagieren sollte. Ich selbst wusste es ja auch nicht. Aber wir haben gemeinsam festgelegt, wann sie mich lieber in Ruhe lassen und wann sie mir vielleicht helfen sollte. Das wichtigste war hierbei, war das man über alles redet. Wie fühlt man sich in bestimmten Situationen oder was waren eventuelle Auslöser?! Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die einem selbst bizarr vorkommen, aber es hilft wenn man einfach sagt, was man denkt oder fühlt.

Was meinst du? Bist du vielleicht von einer Depression betroffen oder hast eine Überwunden, dann schreib doch mal deine Meinung zum Thema in die Kommentare. Darüber würde ich mich sehr freuen. Du kannst auch deine Meinung in die Kommentare schreiben, wenn du ein Angehöriger von einem Betroffenen bist. Wir können uns gerne darüber ausstauschen.  Wenn du das nicht öffentlich machen möchtest, dann schreib mir doch eine E-Mail an marcel@lebeningrau.de

 

Dein Marcel

 

 

3 Replies to “Mit Depressiven umgehen”

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