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Wenn wir niesen und die Nase ständig läuft dann wissen wir, dass wir einen Schnupfen haben. Vielleicht eine Erkältung oder (im schlimmsten Fall) eine Grippe, aber wir wissen, dass es nur eine Phase ist und das es auch noch ein Leben danach gibt. Bei einer Depression ist das allerdings ganz ganz anders. Die Betroffenen wissen oft gar nichts von ihrer Krankheit, denn eine Depression erschafft Trugbilder, die plötzlich von einem selbst als Realität anerkannt werden. Plötzlich besteht man nur noch aus Zweifeln, Pessimismus und man fragt sich „Warum lebe ich eigentlich noch?“…

Es gibt allerdings Möglichkeiten, die Krankheit anzuerkennen und im heutigen Artikel möchte ich ein paar davon vorstellen.

  • Feststellen das man krank ist…
    Wenn man nur noch rumsitzt, an allem zweifelt und jede Entscheidung schmerzt, dann ist das (sehr krass ausgedückt) kein Leben mehr. Wir ziehen uns dann immer mehr zurück, wollen alleine sein und im schlimmsten Fall, wollen wir gar nicht mehr sein. Hier sollte es *klick* machen und wir sollten denken Ok, irgendwas stimmt nicht mit mir.
  • Sich selbst reflektieren…
    Was stimmt nicht mir mir? Warum fühle ich mich so dreckig? Gibt es Dinge, die mir schwerer fallen als sonst? Hier hilft es erstmal zu verstehen, was anders ist als vorher. Oft ist der Beginn einer Depression sehr schleichend, aber mit der Zeit ändert sich einiges. Die Freude an gewissen Dingen fehlt und man versinkt in scheinbar endloses Grübeln. Dieser Punkt geht noch ein wenig weiter, als der Erste, denn hier kann man versuchen erste Antworten zu finden. Auch wenn es nur Kleinikgkeiten sind, aber wichtig ist, dass man sich eingesteht, dass man Probleme hat und diese nicht verdrängt, denn eine Depression kann man nicht verdrängen. Sie kommt wie ein Bummerang in einem unerwarteten Moment und mit voller Wucht wieder zurück in dein Leben. Verdrängung hilft also nur kurzzeitig.
  • Alleine geht das nicht…
    Man steht mit einer Depression nicht alleine da. Jeder von uns hat Freunde, Verwandte oder Bekannte mit denen wir über unsere Probleme reden können. Selbst wenn wir keine Angehörigen haben, gibt es Foren oder Anlaufstellen (telefonisch oder via E-Mail). Es tut gut einfach mal über das zu reden was einen bedrückt aber es ist auch unfassbar schwer, da man oft gar nicht weiß, was einen eigentlich genau bedrückt. Versuche also nicht die Anderen aus deinem Leben zu verdrängen, denn sie lieben dich und sind für dich da. Du würdest ihnen fehlen! Glaub mir. Auch wenn sie nicht so reagieren, wie du es erwartest oder hoffst, denke daran, dass sie nicht Psychologie studiert haben und es für sie auch sehr schwer ist damit umzugehen. Sie machen sie eventuell selbst Vorwürfe und wissen oft nicht, was zu tun ist. Gebe ihnen Zeit, auch wenn das schwer fällt.
  • Informationen…
    Was ist eine Depression? Welche Begleiterscheinungen verstecken sind hinter Depression? Was ist Serotin? Wie wirken Anti-Depressiva? Was passiert mit mir? Fragen, die man mithilfe des Internets beantworten kann. Hier sollte man allerdings ein wenig vorsichtig sein, denn nicht alle Seiten sind seriös und man sollte auch bedenken, dass es kein Universalrezept gegen Depressionen gibt. Jede Depression ist anders, so wie auch jeder Mensch anders ist. Nur weil der eine absolute Angst vor einer Klinik hat, musst du nicht auch Angst haben. Versuche dich auf fundierte Aussagen zu verlassen. Besser noch: Ließ Fachliteratur zum Thema. Stöbere mal im Internet oder in der Buchhandlung deines Vetrauens. Gebe die neu gewonnen Informationen auch weiter an deine Angehörigen oder Freunde. Sie können vielleicht besser verstehen, was in dir vor geht.  Ich habe auch einen Artikel für Angehörige von Betroffenen geschrieben. Diesen findest du hier: http://www.lebeningrau.de/2018/07/12/mit-depressiven-umgehen/.
  • Aufschreiben…
    Schreib doch mal Morgens oder Abends auf, wie du dich fühlst und was du gemacht hast. Welche Gedanken kamen in welchen Situationen? Es ist interessant die Zusammenhänge zu erkennen und außerdem ein wichtiger Schritt bei einer späteren Heilung.
  • Zeit und Heilung…
    Wie oben erwähnt gibt es kein Universalrezept und auch keinen magischen Knopf, denn ein Arzt bei der drückt und schwupps sind deine Depressionen für immer weg. Diese Erkenntnis ist nicht ganz leicht und für mich war es extrem schwer zu verstehen, wie die Heilung von einer Depression abläuft. Nimm dir die Zeit die du brauchst. Aktzeptiere aber auch, dass der Verlauf der Heilung nicht gradlinig ist, sondern eine Berg- und Talfahrt ist. Aber behalte das Ziel im Blick.
  • Hilfe aktzeptieren…
    Man kann eine Depression alleine besiegen, aber man kann auch die Hilfe anderer nutzen. Es ist doch ein schönes Gefühl zu wissen, dass man nicht alleine ist. Mit einer Depression steht man nicht alleine in der Dunkelheit, sondern es gibt viele andere Betroffenen mit kleinen Kerzen. Manche leuchten heller und manche Kerzen sind kurz vor dem ausgehen. Es gibt Hilfe! Und diese Hilfe ist auch gut, aber sie ist nicht ganz leicht. Es tut weh (Mental, aber nur) und es werden viele Zweifel auf dich einströmen, aber du wirst merken, dass es gut tut. Es gibt Möglichkeiten der Depression den Kampf anzusagen, denn das was du bist, das bist nicht du. Das ist die Krankheit. Informiere dich (das musst du nicht alleine tun, sondern hier kannst du die Freunde oder Familie dazuholen) im Internet über mögliche Therapieangebote. Wenn du einen guten Hausarzt hast, dann sprech mit ihm darüber. Es gibt Anlaufstellen im Internet oder auch telefonisch. Diese habe ich hier zusammengefasst. Außerdem habe ich einen ausführlichen Erfahrungsbericht über meine Zeit in der Krisen-Tagesklinik geschrieben. Die zwei Artikel findest du hier.
  • Die eigene Einstellung…
    Es ist hilfreich zu aktzeptieren, dass man krank ist, aber es kann auch hilfreich sein, wenn man sich sagt, dass man krank sein darf und das man sich die Zeit nehmen kann, die man braucht. Ich darf Hilfe annehmen, Es darf mir auch mal nicht gut gehen… Es gibt Hoffnung bei Depressionen auch wenn das für dich gerade völlig abwegig erscheint… aber lass diesen Gedanken doch einfach mal zu und stell dir vor, was dann machen würdest?
  • Diagnose: Depression…
    Eine Diagnose ist schnell festgelegt und schon hält man einen Zettel in der Hand auf dem steht irgendeine Nummer und dahinter die Bezeichnung der Krankheit… Moment mal Krankheit?! Mir hat es total geholfen, als ich eine Überweisung für einen Psychologen erhielt und dort die Diagnose „mittelgradige Depressive-Episode“ drauf stand. Es tat weh, aber irgendwie dachte ich mir „Ja, das ist eine Krankheit.“ In dem Feld steht sonst „Mandelentzündung“ oder sowas wie „Gastritis“… Keine Ahung warum, aber es half mir bei der Erkenntnis, dass Depressionen eine Krankheit sind und das es Heilung davon gibt.

Was ist deine Meinung zum Thema? Welche Erkenntnise haben die Hoffnung gemacht und welche Erkenntnisse haben die Depression verstärkt? Wenn du möchtest, dann schreib doch mal deine Meinung und Erfahrungen in die Kommentare. Wenn du das ganze nicht öffentlich machen möchtest, kannst du mir auch eine E-Mail an marcel@lebeningrau.de schreiben.
Ich freu mich natürlich auch über Feedback zum Artikel.

Dein Marcel

 

Titelbild: Pixabay.com

2 Replies to “Depression: Eigene Erkenntnis”

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