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Naja, je nachdem welchen Sport man so betreibt, aber die meisten Sportarten sind ganz harmlos und können sogar wie ein Antidepressivum wirken. Aber welche Sportart ist eigentlich die richtige für mich? Und wie schaffe ich es, dass ich fit werde?

Ein Sixpack kommt nicht von heute auf morgen, genauso wie man Depressionen nicht von heute auf morgen heilt, aber mit jedem Mal Sport, kann man kleinere Erfolge sehen. Und diese Aussage bezieht sich (zumindest für mich) auf die Muskeln und auf die Depression, denn Sport wirkt ähnlich wie ein Antidepressivum. Viel Bewegung lässt die Serotoninspiegel steigen und verbessert die noradrenerge Transmission im Gehirn. Zudem begünstigt Sport in Studien das Wachstum neuer Nervenzellen im limbischen System.

Aber wie schaffe ich es zum Sport zu gehen? Das ist eine gute Frage, denn hier ist es hilfreich sind kleine Teilschritte zu setzen. Man sollte wirklich ganz ganz klein anfangen. Ich war vor meiner Depression schon im Fitnessstudio angemeldet, aber war einmal alle 4 Monate dort und habe mich den Rest der Zeit gefragt, wofür ich monatlich 39€ bezahle. Mein Ziel ist es 3 Mal die Woche dorthin zu gehen, aber das schaffe ich nicht immer. Wichtig ist: Ich sehe den Sport nicht als Zwang an und versuche positiv darüber zu denken. Aussagen wie „Ich muss ja noch zum Sport.“ klingen irgendwie direkt negativ. Ich denke stattdessen immer „Ich könnte ja noch zum Sport.“

Mit Zwischenzielen und klein anfangen meine ich ganz einfach, dass man vielleicht erst mal ein paar Übungen zu Hause machen sollte. Ich habe mit einem leichten Workout angefangen. 5 Liegestütze und ein paar Crunches und das habe ich dann immer weiter ausgebaut und gesteigert. Einmal in der Woche bin ich dann ins Gym gegangen. Dann zwei Mal in der Woche. Momentan ist es wieder weniger geworden, aber ich versuche immer an das wahnsinnig gute Gefühl danach zu denken.

Das Problem während einer Depression ist, dass Depressive nicht gerne an die frische Luft oder ins Fitnessstudio. Mitten im Stimmungstief verspüren wohl die wenigsten große Lust, sich körperlich zu bewegen. Aber genau diese Bewegung ist ein klein wenig Therapie. Es kann auch hilfreich sein, wenn du anerkennst, dass du eine Krankheit hast. Mehr Infos dazu im Artikel „Depression: Eigene Erkenntnis“ Sport kann natürlich keine Psychotherapie und keine Antidepressiva ersetzen und wird auch niemals genau so wirken, aber während einer Therapie kann es wahnsinnig gut helfen und den Heilungsprozess unterstützen.

In meinem Artikel „Das Glück zulassen“ habe ich darüber geschrieben, wie man auch während einer Depression Glück finden kann. Es ist nicht ganz einfach und bedeutet viel Arbeit, aber wenn man sich immer wieder dran erinnert und immer wieder den Blick darauf lenkt, dann kann man Glück erlernen. Wie ein Tourist in England, der an jeder Ampel (aus Gewohnheit) zunächst nach links schaut, obwohl dort ja Linksverkehr ist und unser Tourist eigentlich nach rechts schauen sollte. Aber es gibt Hilfstellung: In London steht zum Beispiel auf vielen Straßen, in welche Richtung man schauen sollte. Und genau diese kleinen Reminder kann man mit in den Alltag übernehmen.

Man kann sich den Sport auch in den Kalender eintragen: „Montag 17 Uhr Sport!“, allerdings sollte man darauf achten, dass dieser Termin nicht zu gezwungen rüberkommt. Wenn ich in meinem Kalender Montag, Mittwoch, Freitags und Sonntags „Sport“ schreibe, dann bin ich schnell enttäuscht, wenn es mal nicht klappt. Außerdem ist es vielleicht auch zu viel, um es wirklich zu schaffen. Sieh es vielleicht nur als Empfehlung, was du machen könntest oder was du schaffen kannst. Du kannst nämlich alles nur die Depression ist da anderer Meinung und lässt dich das spüren.

Sport hat noch einen anderen netten Nebeneffekt: Wir nehmen ab, werden fitter, bekommen eine bessere Ausdauer und unsere Muskeln wachsen. Kurz um: Unser Selbstwertgefühl steigt und wir finden uns schöner. Auch auf der Waage kann man die ein oder anderen Erfolge sehen.

Das hört sich jetzt so an, als wäre ich ein mega sportlicher Typ. Diese Aussage kann ich nicht unterstreichen. Zwar bin ich durch meinen Job sehr viel in Bewegung, denn ich arbeite als Postzusteller und gurke durch sämtliche Straßen von Dortmund, aber momentan schaffe ich es (wenn überhaupt) nur einmal in der Woche ins Gym. Aber ich will wieder mehr hin. Nein, ich kann wieder mehr hin, denn für mich ist Sport die beste Therapie. Während ich trainiere und dabei laut Musik (z.B. Rammstein) höre, denke ich nicht einmal über etwas nach. Ich bin konzentriert und komme in eine Art Flow. Diesen Flow kann man auch beim Joggen erreichen (das nennt sich dann Runners High).

Du brauchst auch keine Angst zu haben, denn du kannst nicht viel falsch machen. Klar im Fitnesstudio kann man seinen Rücken kaputt machen, wenn man zu schnell, zu viel Gewicht nimmt oder sich danach nicht richtig dehnt, aber dafür bekommst du ja auch eine proffesionelle Einweisung bei den Geräten. Du brauchst dann beim Sport machen auch nichts zu bewerten oder dich beobachtet fühlen, denn andere im Gym sind schon genug mit ihren Gewichten beschäftigt.

Auch wenn dir der schlaue Satz von Albert Einstein bestimmt schon aus den Ohren raushängt und deine Augen brennen, wenn du ihn liest, so möchte ich diesen hier doch nochmal (ist auch das letzte Mal. Versprochen) verwenden, denn für mich steckt in dieser Aussage etwas ganz ganz großes.

Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen
und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.
– Albert Einstein

 

Welche Erfahrungen hast du mit Sport gemacht? Welchen Sport betreibst du und wie lange hast du gebraucht um deine Sportart zu finden? Welcher Sport liegt dir gar nicht? Ich würde mich sehr über deine Meinung zum Thema freuen. Wenn du möchtest, dann hau mal in die Tasten und lass einen Kommentar (weiter unten) da oder schreib mir ’ne Mail an marcel@lebeningrau.de

Dein Marcel

Titelbild: Pixabay.com

One Reply to “Sport ist doch kein Mord!”

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