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Depressionen gibt es in verschiedensten Formen und es gibt viele Behandlungsmethoden, sowie Verlaufsmuster. In WAS IST EINE DEPRESSION NICHT? und WARNZEICHEN ERKENNEN UND RICHTIG REAGIEREN haben wir bereits über die Symptome einer Depression gesprochen. Doch wie geht es eigentlich nach einer Therapie weiter und wie verhindert man einen möglichen Rückfall?


Rezidivierende Depression

In meinem Erfahrungsbericht: Tagesklink habe ich euch bereits einen kleinen Einblick in meine Zeit in der Krisentagesklinik gegeben. Danach gab es für mich ein Loch und ich fühlte mich wie vorher. Danach ging es aber wieder bergauf, da ich auch einen Therapieplatz in Aussicht habe.

Wie verhindert man einen Rückfall?

Damit wir besser verstehen können, wie man einen Rückfall verhindert, müssen wir uns zunächst mal die verschiedensten Formen einer Depression anschauen:

Die verschiedenen Formen von Depressionen. Quelle: Deutsche Depressionshilfe

Unipolare Depression
Die beschriebenen Diagnosekriterien kennzeichnen eine depressive Episode, deren Dauer unterschiedlich lang sein kann: von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Sie ist oft davon abhängig, wie schnell eine Behandlung einsetzt. Treten im Verlauf des Lebens mehrere depressive Episoden auf, wird die Diagnose „rezidivierende (wiederkehrende) unipolare Depression“ gestellt. Dies ist bei der Mehrheit der Betroffenen der Fall. Zwischen den Episoden sind die meisten Betroffenen vollständig gesund. Die Zeit zwischen den Episoden kann unterschiedlich lang sein. Es gibt einiges, was selbst getan werden kann, um das Wiederauftreten depressiver Episoden zu verhindern (Rückfallprophylaxe).

Bipolare Depression
Bei dieser Erkrankung kommt es neben den depressiven Episoden auch zu „manischen Episoden“. Die manischen Phasen gehen mit übermäßig guter Stimmung einher, oft verbunden mit starkem Tatendrang, Ruhelosigkeit, fehlendem Schlafbedürfnis und auch Größenideen oder übertriebenem Optimismus. Diese Phasen können dann, manchmal über Nacht, wieder in depressive Phasen umkippen. Eine schnelle und konsequente medikamentöse Behandlung ist bei dieser Form der Depression besonders wichtig. Bipolare Erkrankungen sind deutlich seltener als die unipolare Depression.

Dysthymie
Bei der Dysthymie sind die depressiven Symptome weniger stark ausgeprägt, aber über einen langen Zeitraum vorhanden. Für die Diagnosestellung müssen die Symptome mindestens zwei Jahre lang vorliegen.

Medikamente bei rezidivierende Depressionen

Bei einer rezidivierenden Depression bzw. unipolare Depression ist die wahrscheinlichkeit hoch, dass die Depression innerhalb von sechs Monaten zurückkommt. Genau genommen, liegt die Wahrscheinlichkeit sogar bei 70%, doch in den meisten Fällen, kann man mithilfe eines Notfallplans einen Rückfall verhindern.

Wenn man bei einer Akuttherapie Tabletten verschrieben bekommen hat und diese auf eigene Faust absetzt oder die Dosierung verringert, kann das eine zu einem Rückfall führen. Die meisten Antidepressiva werden so verschrieben, dass man sie vier oder fünf Monate weiter nehmen soll (Erhaltungstherapie ist das Stichwort). Wenn der Patient stabil ist und sich in einem sicheren Umfeld befindet, kann – wenn sich keine weitere Depression anbahnt – das Medikament langsam runter dosiert werden (Auschleichen).

Bei wiederkehrenden Depressionen wird das Antidepressiva als Langzeittherapie noch neun Monate weitergenommen.

Was kann man selbst tun?

Es ist natürlich ratsam, dass man sich nach der Akuttherapie einen Platz für eine Psychotherapie sucht. Aber es gibt auch einige Dinge, die man selbst tun kann. Wichtig ist dabei, dass man seine eigenen Frühwarnsignale kennenlernt. Laut der deutschen Depressionshilfe gibt es diese Frühwarnsignale:

  • Müdigkeit, Erschöpfung, Schlappheit
  • Kopfschmerzen
  • körperliches Unwohlsein
  • keine Lust, sich mit Freunden zu treffen, sich zu unterhalten
  • am Wochenende zu Hause bleiben, obwohl man sonst gern ausging
  • weniger, leiser sprechen als zuvor
  • nicht wissen, was man sagen soll
  • über Probleme grübeln, die zuvor keine Probleme waren
  • Konzentrationsprobleme
  • verlangsamtes Denken
  • Probleme, sich zu erinnern
  • Teilnahmslosigkeit
  • verringerte Aktivität
  • verringertes Selbstbewusstsein/
    Selbstwertgefühl
  • Verspannungen
  • Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
  • Druck auf der Brust
  • schlechtere/weniger Leistung in Beruf, Studium, Schule
  • Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen
  • Angstgefühle
  • weniger oder mehr Appetit als sonst
  • Gedanken daran, wie es wäre, nicht mehr da zu sein
  • veränderte Trink- und Essgewohnheiten
  • erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen
  • innere Unruhe, Getrieben sein, Ungeduld
  • Reizbarkeit
  • nachts nicht schlafen können
  • weniger Lust auf den Partner/Sexualität

Vielleicht findeast du dich in einigen Signalen wieder. Es ist sehr wichtig, wenn man in solchen Situationen mal ganz bewusst in den Körper horcht. Doch was hilft wenn die Alarmglocken läuten? Vielleicht beginnst du damit ein Stimmungstagebuch anzulegen. Es muss keinen großen Umfang haben; einfach nur die Stimmung (als Smiley) und vielleicht die aktuellen Empfindungen und Gedanken. Gibts auch als App, z.B. die App Ayra.

Was mir immer wieder hilft ist Achtsamkeit mithilfe von Meditation und natürlich Sport. Doch im Endeffekt musst du für dich rausfinden, was dir gut tut. Achte auf jeden Fall auf eine gute Ernährung, sowie ausreichend Schlaf. Aber nicht umsonst, gehören Sport und Bewegung zum Pflichtprogramm einer jeden Therapie.

Du könntest dir einen Notfallplan machen und dir notieren, was dir gut tut und was dir hilft. Das ist nicht nur für dich hilfreich, sondern auch für deine Angehörigen.

So werden Depressionen geheilt – Glücksdetektiv

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Quelle: Deutsche Depressionshilfe – Verlaufsformen
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