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2010 hatten 6,31 Millionen Menschen ein Smartphone, doch heute sind es bereits 57 Millionen Menschen, die ein Smartphone haben. ¹ Und gefühlt ist ja auch immer was los: Eine hitzige Disskusion in der WhatsApp Familiengruppe, eine Eilmeldung über die Brexit Abstimmung, eine neue E-Mail mit wichtigen Informationen und zu guter letzt, meldet sich die Fitness-App un bittet dich dein Mittagessen zu tracken. Und die Smartphone Nutzer werden immer jünger.

Der durchschnittliche Nutzer greift pro Woche 1.500 Mal zu seinem Smartphone, das heißt 214 Mal pro Tag. Für diese Studie wurden 2014 2.000 Smartphone-Nutzer interviewt. Die Studie zeigte auch, dass ein durchschnittlicher Nutzer sein Smartphone täglich drei Stunden und sechzehn Minuten nutzt. Auf eine Woche hoch gerechnet ergibt das mit rund 22 Stunden fast einen Tag, den wir jede Woche mit unseren Mobiltelefonen verbringen. ²

Automatische Nutzung und Phantom-Vibration

Und diese Nutzung geht teilweise automatisch, ohne das es die Nutzer wirklich mitbekommen. Beim Warten auf die Bahn wird schnell nochmal der Instagram Feed durchgescrollt; Eine Frau mit einem Eis, ein Mann beim Sport, eine Katze, ein Konzertfoto… So richtig nehmen wir diese Informationen gar nicht auf. Ein einfacher Zeitvertreib, bei dem man aber nicht wirlich etwas aufnimmt. Unter anderem zeigt die Studio auch, dass einige Nutzer zuerst Facebook oder ihre Mails checken, bevor sie ans Frühstücken denken.

Phantom ringing syndrome – Phantom-Vibrations-Syndrom (PVS) bezeichnet man die irrtümliche Vorstellung von Besitzern von Mobiltelefonen, dass ihr Gerät vibriert, obwohl sie selbiges nicht bei sich tragen oder der Vibrationsalarm nicht ausgelöst wurde. Da es sich hierbei um eine Wahrnehmung ohne nachweisbaren externen Reiz handelt, ist es medizinisch betrachtet eine Halluzination. Das Phantom-Vibrations-Syndrom ist offenbar weit verbreitet und häufig. Mehreren Studien zufolge sind vom Phantom-Vibrations-Syndrom etwa 70 bis fast 90 % aller Mobiltelefonbesitzer betroffen.Ein dem PVS ähnliches Syndrom ist das Phantom-Klingel-Syndrom

Die ständige Smartphone Nutzung versetzt uns in eine Art Dauer-Alarmzustand. Die Folge: Das Stressniveu steigt.

Tipp Nr. 1: Zeit und Aktionen bewusst wahrnehmen.

Wenn man sich dazu entscheidet, dass man weniger Zeit am Handy verbringen will, dann ist es zunächst hilfreich, wenn man mal schaut, wie viel Zeit man Handy verbringt bzw. welche Apps man benutzt. Schnell finden sich die üblichen Verdächtigen: WhatsApp, Facebook, Instagram und co, sind bei vielen Vorne mit dabei. An Sich bieten solche Apps aber nicht nur Nachteile, denn mit ihnen stehen wir auch in Kontakt mit Menschen, die vielleicht auf der anderen Seite der Welt leben.

Wenn du also Digital Detox – wie es ja jetzt so cool heißt – machen möchtest, dann achte doch erstmal darauf, wie du dein Smartphone nutzt und wie lange bzw. in welchen Situationen.

Tipp Nr 2: Einfach mal ausmachen / Flugmodus.

Ich schalte mein Smartphone immer Nachts aus oder zumindest in den Flugmodus. Einerseits, weil ich es sowieso nicht nutze und wegen der Strahlung, von der man ja nicht ständig umgeben sein muss. Mein Smartphone liegt dann in einem anderem Raum und als Wecker nutze ich, wer hätte es gedacht, einen einachen Wecker, den ich irgendwann mal irgendwo gekauft habe.

Manchmal stelle ich das Handy auch nur in den Flugmodus und höre auch noch ein Hörbuch. Ich denke einfach, dass man Nachts nicht erreichbar sein muss und bei einem wirklichen Notfall, würde man einen ja auch über das Festnetz erreichen

Tipp Nr 3: Rausgehen, während das Handy zuhause bleibt.

Aber was ist wenn was passiert? Oder ich Hilfe brauche?  Habe ich immer gedacht, aber inzwischen denke ich, dass man in einem Notfall immer irgendwie Hilfe findet. Es kann sehr befreiend sein, wenn man mal das Handy zuhause lässt. Man merkt dann, dass man viel fokussierter und achtsamer ist.

Und außerdem wird die Kreativität angeregt: Wenn du im Supermarkt bei den Backwaren stehst und einen Kuchen backen möchtest, den du gestern Abend bei Pinterest gesehen hast, dann kannst du nicht mal eben nachschauen, wenn dein Handy zuhause schlummert. Jetzt ist Kreativität gefragt! 😀

Tipp Nr. 4: Ständige Erreichbarkeit ist eine selbst erschaffte Illusion.

In unserem Kopf entwickelt sich, bei ständiger Smartphone-Nutzung eine Sucht nach Input. Wir wollen immer mehr und wollen vor allem nichts verpassen. Außerdem wollen wir immer erreichbar sein, um immer die neusten News mitzubekommen.

Das Gefühl von ständiger Erreichbarkeit ist in meinen Augen großer Quatsch, denn man muss nicht immer erreichbar sein. Ein Arzt der Bereitschaft hat, sollte natürlich erreichbar sein, aber frage dich doch mal, ob wirklich etwas Weltbewegendes passiert, wenn das Handy mal aus ist. Vielleicht sollte man sich feste Zeiten schaffen, wann man auf das Handy schaut oder E-Mails bzw. Nachrichten beantwortet.

Tipp Nr.5: Für wen machst du das?

Instagram – Für manche ist ein Beruf und für wieder andere ist es Fluch und Segen zugleich. Instagram exestiert seit dem 6. Oktober 2010 und hat jetzt 800 Millionen monatlich aktive Nutzer und 500 Mio. täglich aktive Nutzer. Die größte demographische Gruppe sind Männer zwischen 18 und 24 Jahren. 60,4% aller Nutzer sind zwischen 18 und 24 Jahre alt. 32 Prozent der Internetnutzer der USA sind nun auf Instagram. Und das berühmteste Bild ist ein Ei mit 51 Millionen Likes. ⁴

Doch Instagram ist vor allem eines: Oberflächlich. Bilder werden mit Filtern aufgehübscht, die immer weniger mit der Realität zu tun haben. Alles irgendwie gestellt; oder einfacher gesagt fake. Die Presse bezeichnet Instagram als schlecht für die mentale Gesundheit. Im Artikel heißt es, dass einer britischen Studie zufolge leiden Jugendliche auf der Fotoplattform Instagram am meisten unter Angststörungen, Depressionen und der Angst, alles zu verpassen. ( Fear of missing out) ⁵

„Freunde, die einem das Gefühl vermitteln, ständig auf Urlaub zu sein, immer perfekt gestylt zu sein und sonst auch keine Fehler zu haben, setzen die Jugendlichen laut Studie massiv unter Druck. Die Royal Society, federführend bei der Studie, fordert von Plattformen daher Warnhinweise wenn eine gewisse Nutzungsdauer pro Tag überschritten wurde. Außerdem sollen Bilder die mit Bildbearbeitungsprogrammen bearbeitet wurden, gekennzeichnet werden, umso Jugendlichen nicht ein falsches Körperbild zu vermitteln.“ beschreibt es die Royal Society und fordert Warnhinweise.

Die Frage die man sich bei der Nutzung von Instagram stellen sollte ist: Für wen machst du das? Für wen bzw. warum fotografierst du dein Mittagessen? Weil es alle machen? Weil du dazugehören willst? Wegen der Likes? Weil du dann neue Follower kriegen könntest? Und dann? Einige Menschen kaufen sich sogar Likes oder Follower…

Tipp Nr. 6: Probiere eine Challenge

Stoppe diesen ganzen Input und mache vielleicht sogar eine Pause von den sozialen Netzen. Facebook, Instagram und co. bieten eine deaktivieren Funktion, mit der du dein Profil abschaltest und es vermutlich gelöscht ist, bis du dich das nächste mal wieder anmeldest.

Kein Kindle, kein Netflix, keine Smartwatch und dann einfach mal raus in die Natur. Schalte dein inneren Instragram-Modus aus, der dich auf mögliche Motive aufmerksam macht und genieße die Stille und alles, was um dich herum passiert. Probiere diese Challenge, so lange wie du kannst: eine halbe Stunde oder eine ganze. Vielleicht auch einen ganzen Tag. Oder bei einem Konzert? Einfach mal nicht filmen, denn erstens filmen bereits genug Leute, so dass man sich das komplette Konzert problemlos bei YouTube anschauen kann und zweitens, kann man das Konzert wirklich genießen, wenn man ständig auf eine Wackelfreieund nicht unscharfe Aufnahme konzentriert ist.

Klar, dass Handy bietet unendliche vorteile. Ständige Vernetzung, ständig „neue“ Nachrichten und die Möglichkeit, alles zu erfahren bzw. zu teilen? Aber wie wäre es, wenn wir uns selbst in all der digitalen Welt nicht vergessen.

Jeden Sonntag um 12 Uhr erscheint ein neuer Beitrag im Magazin.

Wie handhabst du das mit dem Smartphone? Nimmst du dir auch bewusste Pausen? Oder könntest du gar nicht drauf verzichten? Ich möchte mit meinem Artikel das Smartphone keinesfalls als etwas schlechtes darstellen, aber uns fehlt oft die nötige Distanz bzw. Achtsamkeit uns mit Sozialen Netzwerken richtig zu beschäftigten, bzw. fehlt uns diese Achtsamkeit oft im Alltag, wenn wir ständig in der digitalen Welt sind. Andererseits ist es auch schön, mal ganz bewusst das Handy zu nehmen und einen Artikel auf Zeit.de oder SpiegelOnline zu lesen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn du dein Feedback als Kommentar hinterlässt oder mir eine Mail an marcel@lebeningrau.de schreibst. Und ja, du kannst mich auch bei WhatsApp erreichen, einfach auf das Symbol unten links drücken.



Quellenangaben:

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¹ Quelle: Anzahl der Smartphone-Nutzer in Deutschland in den Jahren 2009 bis 2018 (in Millionen) – https://de.statista.com/statistik/daten/studie/198959/umfrage/anzahl-der-smartphonenutzer-in-deutschland-seit-2010/
² Quelle: Tecmark survey finds average user picks up their smartphone 221 times a day – https://www.tecmark.co.uk/blog/smartphone-usage-data-uk-2014
³ Quelle: Wikipedia Phantom-Vibrations-Syndrom – https://de.wikipedia.org/wiki/Phantom-Vibrations-Syndrom
⁴ Quelle: 47 interessante Instagram-Statistiken – https://www.brandwatch.com/de/blog/instagram-statistiken/
⁵ Quelle: Instagram ranked worst for young people’s mental health – https://www.rsph.org.uk/about-us/news/instagram-ranked-worst-for-young-people-s-mental-health.html

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