Stress lässt sich oft nicht vermeiden, aber wir können ändern, wie wir damit umgehen bzw. die Dinge angehen. Im heutigen Artikel dreht sich alles um Stress: Was sind die Auslöser? Aber vor allem, was hilft in stressigen Situationen?

Lesezeit: 5 Minuten

Herz- und Kreislaufbeschwerden wie Bluthochdruck, Schwindelgefühle, Herzrasen und Atembeschwerden oder Bauschmerzen sind ein häufiges Symptom von akuten Stress. Wir merken also, dass sich der Stress auch auf unseren Körper, unsere Organe bemerkbar macht. Stress ist also nichts anderes als ein Alarmsignal des Körpers.
Doch was machen wir, wenn zum Beispiel der Feuermelder klingelt? Richtig, im Idealfall die Brandursache finden und löschen (oder natürlich Hilfe in Form der Feuerwehr holen). Aber was machen wir, wenn es in unserem Körper brennt?

Stress ist vollkommen normal und im Grunde nicht schädlich. Doch das Problem heißt: Dauerstress. Wenn Zuhause nicht alles so läuft, wie man es sich wünscht und dann auf der Arbeit der Druck steigt, dann können wir den Stress nicht mehr richtig abbauen. Der Körper bleibt dann in einer chronischen Anspannungs- bzw Aktivierungszustand, der für die Gesundheit gefährlich werden kann.

Das Stresshormon Kortisol sorgt dann dafür, dass die Immunabwehr immer schwächer wird. Wer die typischen Symptome, also Bauchschmerzen, Gelenk- bzw. Rücken- oder auch Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Herzrasen, Schwindel usw. nicht beachtet, der kann schneller an einer Depression bzw. Burn-Out erkranken. Auch entwickeln sich häufig Ess- oder Zwangsstörungen bzw. Vergesslichkeit oder Angststörungen.

Tiefe und bewusste Atemzüge können helfen

Die Ruhe im Alltag zu finden ist oft nicht einfach. Aber sie ist da, liegt nur versteckt hinter dem Gedankenvorhang. Um sie zu finden, brauchen wir eigentlich keine Hilfsmittel, dann das beste Werkzeug um zu uns zu finden, ist bereits vorhanden und immer zugänglich. Es ist der Atem.

In stressigen Situationen verändert sich auch die Atmung; sie wird schneller und flacher. Hier ist es hilfreich, wenn man den Stress erkennt und bewusste, tiefe Atemzüge nimmt. Konzentriere dich auf die natürlichen Empfindungen der Atmung und lass Gedanken kommen, aber auch wieder gehen. Vielleicht hilft dir dieses Video dabei:

shin­rin yoku – Waldbaden

Auch wenn man es manchmal vergisst, aber der Mensch ist auch nur ein Tier und unser Ursprung liegt in der Natur. Es gibt also kein natürlicheren Ort, der näher an uns dran ist, als die Natur. Ein Spaziergang im Wald oder in einem Park können uns entspannen und auch ablenken.

In Japan gibt es dabei den Trend des Waldbadens (shin­rin yoku): Kliniken schicken ihre Patienten in den Wald, damit diese dort die Natur wahrnehmen, aufsaugen und auch die Entspannung merken, denn Waldspaziergänge senken den Blutdruck und reduzieren die Stresshormone.

Ein weiterer Pluspunkt: Bewegung! Es heißt nicht umsonst „In der Bewegung liegt die Kraft“. Also ab mit dir in den nächsten Wald oder Park. Versuch doch mal ganz bewusst die Luft wahrzunehmen oder mal zu hören, welche Vögel oder Geräusche du hörst. Und das Handy, ja das kann im Wald ruhig mal ausgeschaltet werden. Oder in der Tasche bleiben – aber lautlos.

Photo by Jo Jo on Unsplash

Vulnerabilität und Resilienz 

Vulnerabilität bedeutet Dünnhäutigkeit bzw. Sensibilität, aber auch Verletzlichkeit, was wiederum das Risiko, an einer Depressionen zu erkranken wachsen lässt. Die Anfälligkeit dafür besteht tatsächlich bei jedem Menschen, ist aber erhöht, wenn Vulnerabilitätsfaktoren bestehen.

Doch was sind diese „Vulnerabilitätsfaktoren“ eigentlich? Jeder Mensch durchläuft stabile Phasen und weniger stabile Phasen – dazu zählen Verluste, Trennungen; also allgemein Umbruchphasen. Je nach den genetischen Belastungen, wenn zum Beispiel ein naher Angehöriger eine Psychose oder bipolare Störung hat oder eine Verletzung bzw. Infektion des Gehirns vorliegt; also je nach Stärke der Vulnerabilität + die aktuelle Akkumulation an Belastungen, kann ein dünnhäutiger Mensch schneller an einer Depression erkranken.

Man kann sich Vulnerabilität also auch wie ein Glas Wasser vorstellen; bei manchen ist es halb voll oder kaum gefüllt und bei wieder anderen, steht es kurz vor dem überschwappen. Und je nachdem wie das Glas gefüllt ist, füllen wir jetzt zusätzlich Wasser (aktuelle Belastungen) in die unterschiedlich gefüllten Gläser. Welches Glas wird als ersten überlaufen?

Krisen lassen sich in den seltensten Fällen vermeiden, deshalb ist es für dünnhäutige Menschen sehr wichtig, familiäre und soziale Ressourcen zu pflegen und einen Notfallplan für Krisen zu haben. Dünnhäutige Personen brauchen dann eventuell mehr Zeit um eine Flut an Informationen zu verarbeiten bzw. auch im Leben immer mal Ruhepausen.

Die American Psychological Association  (kurz APA) hat eine Internetseite zum Thema Resilienz erstellt. Dort findet man hilfreiche Tipps, wie man Resilienz lernt. Darunter zum Beispiel:

  • Sorge für dich selbst
  • Glaube an deine Kompetenz
  • Baue soziale Kontakte auf
  • Entwickle realistische Ziele
  • Verlasse die Opferrolle
  • Nimm eine Langzeitperspektive ein
  • Betrachte Krisen nicht als unüberwindbares Problem.

Ich kann verstehen, dass du jetzt denkst: „Das ist ja leichter gesagt, als getan“. Aber genau wie Achtsamkeit, ist Resilienz ein Thema, welches man (mit der Zeit) erlernen kann

Dass sich solche Ratschläge nicht immer einfach umsetzen lassen, weiß jeder, der es schon versucht hat – speziell wenn man eine persönliche Geschichte mit schlechten Erfahrungen hat. Aber sie sind ein Silberstreifen am Horizont, und mit kompetenter psychologischer oder seelsorgerlicher Begleitung wird es den meisten hoch sensible Menschen möglich sein, allmählich eine wachsende Resilienz zu entwickeln. Es empfiehlt sich, einen Punkt nach dem anderen anzupacken, und eine langfristige Perspektive einzunehmen. Genau hinschauen, was in uns hochkommt wenn wir das beabsichtigen, uns den Gefühlen des Versagens, der Ablehnung usw. stellen, die Lügen und Einschärfungen, die uns das zu verunmöglichen scheinen, identifizieren und uns davon lossagen, Trost und Heilung suchen für die negativen Erfahrungen, die solche Haltungen bestärkt und zementiert haben. Ein langer Weg vielleicht, und am Anfang mag es so scheinen, als ob sich nichts ändert, aber mit Beharrlichkeit werden allmählich mehr und mehr Anzeichen einer wachsenden Resilienz neue Motivation liefern. Resilienz ist erlernbar.

Hochsensibilität, Vulnerabilität und Resilienz von 
ZART BESAITET –>

Photo by nikko macaspac on Unsplash

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.